Wissen wir, wer wir sind?

Susanna Pruckner – wer ist das?

Wer war ich die letzten vierzig Jahre? Wer ist die Susanna, die scheinbar alle kennen, die mir aber so fremd geworden ist?

 

Ich bin nicht groß – sagen wir es mal so – ich bin klein. Mit 154 cm kann ich das durchaus so sagen. Seit ich denken kann hatte ich gerne hohe Schuhe an, um ein wenig grösser zu wirken. Als Kind war ich immer lieb und nett, auch wenn mir überhaupt nicht danach war – trotzdem, ich wollte nicht auffallen, war nie der Revoluzzer Typ. Dann kam die Pubertät. Ich bäumte auf, man ließ mich aber nicht. Ich fügte mich, wenn ich auch da anfing, mich wirklich in eine Tussi zu verändern[1]. Nun, ich wurde zu einer High Heels tragenden, Miniröcke liebenden Blondine. Natürlich wurde ich ab dem Moment in jede nur erdenkliche Schublade gesteckt und niemand wollte hinsehen, was sich hinter High Heels und Minirock wirklich verbarg. Nicht mal ich wollte es sehen. Ab und an hatte ich dann aber doch Glück und ein Mann suchte die wirkliche Susanna – dies waren dann die Zeiten wo ich Beziehungen führte. In den Beziehungen veränderte ich mich aber dann so sehr, dass mich der Mann nicht mehr erkannte. Die Beziehung scheiterte. Ich selber war gefangen in einem Bild, das ich von mir schaffte, das aber nicht zu mir passte. Lange fühlte ich mich wohl in dieser Rolle – nein, ich dachte, ich fühle mich wohl – aber auf den einen Menschen, der mein innerstes Wesen, meine wunderschöne Seele liebt, wartete ich vergebens. Im Nachhinein fallen mir einige Szenen ein bei denen ich darauf gestoßen wurde, dass mich ja, so wie ich mich gebe, niemand erkennen kann! Ich ignorierte aber alles, weil ich in meiner Rolle schon so perfekt war. Niemals hätte ich mich getraut sie abzulegen und mich so zu zeigen wie ich war. Es war leichter für mich, die Männer mit meinem Äußeren zu reizen, um dann so was Ähnliches wie Liebe zu erhalten. Und ich war perfekt darin, mich darzustellen so wie es dem Mann gefiel. Aber Liebe erhielt ich, wenn überhaupt, nur kurz. Ich hatte einfach Angst vor der richtigen Liebe!

Dann kam mein Mann Hendrik. Klar war, dass er genau auf alles ansprang was ich ausstrahlte: Blond, zierlich, klein, hohe Schuhe und kurzer Rock. Aber ich merkte schnell, dass er hinter die Fassade schaute, und es gefiel ihm, was er sah. Auch er hatte eine dicke Fassade – die Fassade des harten, tätowierten Kerls.

 

Ich sah aber seine Seele, und sah wie verletzlich sie war und wie wunderschön. Ich verliebte mich in eine Vorstellung dessen, was er ausstrahlte, und er tat das gleiche bei mir. Kann das gut gehen? Kann eine Partnerschaft funktionieren, wenn man nicht die Seele des Menschen erkennt und liebt, sondern das was er gerade ausstrahlt? Ich denke, in den ersten Jahren fügten wir uns unseren Rollen – er der Mann, der gern beschützte und ich die, die gerne beschützt wurde. Ich begann, mich wieder zu verstellen und zwar so wie mein Mann mich gern gehabt hätte. Ich wollte ihn auf keinen Fall verlieren. Immer und immer wieder hatte ich die Worte meiner Mutter im Ohr, die mir einmal sagte: „Du wirst niemals einen Mann halten können, so wie du bist.“ Das tat weh und ich hatte wirklich Angst, dass mich mein Mann so wie ich wirklich bin, nicht lieben könnte. Wir bekamen unsere wundervollen Söhne und die Fassade begann zu bröckeln. Mein Mann arbeitete viel – sehr viel – und ich hatte ständig ein schlechtes Gewissen, weil ich finanziell nicht viel beitrug zu unserem Leben. Dass ich die Kinder quasi alleine großzog, sie in allen Lernbereichen unterstütze, mit ihnen alle Therapien machte, die sie brauchten, ich in allen schulischen Bereichen da war, sie bei mir heute noch im Bett schlafen dürfen und ich 24 Stunden , 7 Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr für sie immer da war und bin – das sah ich nicht. Denn dafür bekam ich ja kein Geld. Und auch keine Anerkennung von meinem Mann. Klar – ich erkannte mich ja selber nicht an.

Jetzt wo ich dies schreibe, bin ich in der schwierigsten Phase meines Lebens. Ich stehe hier, bin 40 Jahre alt, und der Weg, den ich gehen soll, steht vor mir und ich fürchte mich ihn zu gehen.

Kann man Angst haben vor dem Erfolg?

 

Ja man kann! Und wie. Ich glaube, ich bin das perfekte Beispiel dafür. Warum das so ist, weiß ich nicht. Vielleicht versucht mein Ego mich klein zu halten. Keine Ahnung. Wenn ich es weiß, werde ich es mit euch teilen.

 

Wie war mein Leben VOR der Ausbildung?

 

Ich war seit 2 Jahren ungefähr schon total aus der Mitte. Ich fühlte meinen Körper nicht mehr und ich fühlte mich einfach nicht mehr. Alles misslang mir, nichts konnte man mir recht machen. Und obwohl ich Ernährungscoach bin, nahm ich unaufhaltsam an Gewicht zu. Ich verstand die Ursache nicht. Lange Zeit habe ich schon für mich Sachen akzeptiert. Sachen wie: ich sehe Energien von anderen. Ihre Seelen. Ich kann Seelenreisen machen. Kann mich mit andere verbinden. Ich bin sehr emphatisch. Sehe vergangene Leben. Habe Visionen von der Zukunft. Aber all dies hat mir nicht geholfen mich zu finden. Im Gegenteil. Meine Arbeit ging nicht von der Hand und ich hing irgendwie fest. Ich war eingesperrt in meinem Denken und Fühlen. Ich schrie in dieser Zeit viel mit den Kindern, mit meinem Mann. Ich konnte mich selber nicht ausstehen. Hatte keine Lebensfreude mehr. Alles war nur mehr grau.

 

Mein Leben lang war ich auf der Suche nach mir. Wer bin ich. Was habe ich hier zu erledigen. Ich habe meine Engel kennenlernen dürfen. Sie haben mich immer begleitet. Da ist Erzengel Gabriel. Er ist mein Hauptengel und begleitet mich schon mein Leben lang. Dann kamen Raphael und Michael. Und als ich für mein Herz dringend Hilfe brauchte, kam noch Chamuel. Mit Erik – meinem ältester Sohn – kam auch Metatron. Sie halfen mir, zeigten mir manchen Weg. Aber ich war trotzdem immer noch wie ein kleines Kind, das nicht wusste wohin mit sich selber. Ich hatte einfach total viele Baustellen in meinem Leben.

Mit der Schwangerschaft unseres jüngsten Sohnes Cedrik, kamen auch meine Panikattacken. Ich habe nie gewusst, warum und weshalb ich so heftige Panikattacken habe. Organisch wurde alles abgeklärt. Nichts. Und auch ein Therapeut brachte keine Erkenntnis. Aber mir war klar, die Erkenntnis warum ich unter Angstzuständen litt, musste in mir sein.

 

Ich arrangierte mich mit den Angstzuständen und merkte gar nicht, wie weit sie schon mein Leben eingeschränkt hatten. Es war normal. Manchmal hatte ich so heftige Panikattacken, dass ich die ganze Nacht nicht schlafen konnte. Denn wenn ich auch nur in die Nähe des Bettes kam, begannen sie sofort. Das ist echt kein Leben. Ich sehnte mich nach einem warmen Bett und Schlaf und hatte aber panische Angst davor.

 

Eine Freundin zeigte mir dann mal, wie man mit bestimmten Punkten am Körper, die man mit der Hand aktivieren kann, diese Panikattacken in Zaum halten konnte. Sie brachte mir Erleichterung, aber keine Erlösung.

 

Erlösung. Interessantes Wort. Wovon möchte ich erlöst werden? Was beengt mich?

Meine Ehe bestand nur mehr aus Vorwürfen und Angst. Verlustangst, Existenzangst, Freiheitsangst. Mein Mann und ich teilten uns diese Ängste. Aber wo war die Liebe geblieben? War Angst die Grundlage unserer Ehe? Wurde mir alles zu viel und mein Körper zeigte es mir deutlich? Nur ich konnte damit nichts anfangen? Musste die Angst irgendwo entweichen und zeigte sich eben in diesen Attacken?

 

Wie gesagt, die letzten zwei Jahre bevor ich den Dom (ein Seminarhaus Namens FreeDom, von mir liebevoll Dom genannt) kennen lernen durfte waren einfach beschissen. Ja, das waren sie. Alles wurde eng. Auch meine Kleidung, denn mein Gewicht ging nach oben. Nicht nur das es für mein Geschäft nicht gut war, wenn ich zunahm – viel schlimmer war es für mich selber. Ich konnte mich nicht mehr im Spiegel betrachten, konnte meinen Körper einfach nicht mehr ausstehen. Nach außen hin verkleidete ich es wieder perfekt, indem ich mich immer körperbetonter anzog. Es ist paradox, ich weiß, aber so erhielt ich wenigstens noch Bestätigung, wenn auch meist nur von Männern. Ich selber konnte mir die Bestätigung nicht mehr geben.

 

Ich wusste, ich müsste was ändern – aber hatte absolut keine Idee. Da entdeckte ich die Ausbildung zum Dipl. Energetiker. Ich dachte, das könnte ich wirklich gut einsetzen in meinem Job. An der Ausbildungsstelle bekam ich vorab Unterlagen. Alles las sich gut. Ja, das war es: Das will ich machen. Nun, ich war sogar schon angemeldet, als meine innere Stimme sagte: „Nein.“ Ganz einfach so sagt die: „Nein.“ Ich wollte sie überhören und las immer und immer wieder die Ausbildungspunkte, um es mir schmackhaft zu machen. Aber innen drinnen immer wieder: „Nein, nein nein.“ Ich höre immer auf meine innere Stimme und so sagte ich ab. Mein Mann sah mich an als ob ich verrückt wäre.

Zuerst so himmelhochjauchzend und dann doch absagen? Aber er nahm es hin. Ich denke, er war froh, dass ich kein Geld ausgeben musste. Ich wusste, ich brauche dringend etwas wo ich lernen kann. Ich hatte keine genaue Vorstellung davon, was ich überhaupt lernen möchte, aber in mir ging etwas auf die Suche.

 

In dieser Zeit war ich so zerrissen wie sonst was. Ich fühlte nichts außer Angst. Ja, die hatte sich gut in mein Leben geschlichen und wollte einfach nicht wieder gehen. Aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Man gewöhnt sich an alles. Mein Herz hatte ich schon sehr lange sehr gut verschlossen – aber ich merkte es nicht.

War mein Herz je offen? Ich weiß es nicht.

 

Es gab Tage, da ging ich freiwillig sehr früh zu Bett, um dieser Lebensangst entfliehen zu können. Ich wusste, wenn ich schlafe (und nicht gerade geweckt werde durch eine Panikattacke), dann ist es sehr schön, denn meine Seele geht auf Reisen. Ich liebte diese Seelenreisen und tue es heute noch.

Doch jedes Mal, wenn ich am Morgen erwachte hatte ich eines: Angst!

 

Angst. dass der Postbote Rechnungen bringt. Dass ich etwas nicht bezahlen kann. Dass mein Geschäft nicht geht usw. Ich machte mir so einen unnötigen Druck, dass mein Geschäft wirklich sehr schleppend ging, ja sogar stagnierte. Ich war gefangen in einem Strudel aus Angst. Ich merkte nicht mal, dass der größte Teil dieser Angst nicht mir gehörte sondern meinem Mann. Dem ich sie immer abnahm, wenn sie hochkam. Mir wurde alles zu viel und ich begann depressiv zu werden. Gott sei Dank habe ich wirklich eine tolle Ernährung, auf die ich zurückgreifen kann. So konnte ich mich halbwegs auf den Beinen halten. Mein Mann sah nicht, dass ich kurz davor war, zusammen zu brechen. Niemand sah das. Bin ich so eine gute Schauspielerin? Oder wollte das einfach niemand sehn? Ich war immer darauf bedacht, meinem Mann diese Angst abzunehmen. Ich dachte immer, wenn ich es nicht tue, bricht hier alles zusammen. Ich war die einzige, die alles am Laufen hielt, die alles stützte. Ich merkte nicht, dass ich meinem Mann die Verantwortung abnahm, seine Angst selber aufzuarbeiten und sich damit auseinander zu setzen. Dieses Verhalten rächte sich natürlich. Er beachtete mich kaum mehr, und das, wo ich die Aufmerksamkeit von ihm so sehr gebraucht hätte. Trotz allem bin ich froh dass alles so kam, wie es war, denn so ging ich auf die Suche und wurde zum Free-Dom geführt.

Mein Leben begann sich zu ändern.

Free-Dom? Free-Dom!

 

Der Free-Dom wird von mir immer liebevoll „der Dom“ genannt. Es ist ein kleines Seminarhaus, welches auf den ersten Blick, total normal aussieht. Geht man rein, kommt man in eine kleine Garderobe. Ein paar Schritte weiter, geht rechts eine Türe eine Etage tiefer – dort ist die „Kiwa“. Ich empfinde diesen Raum als Mutter Erde. Dieser Raum ist rund. Sie ist in brauntönen gestaltet und mit Lehm sind die Mauern gekleidet. In den Boden hat Cornelia die Blume des Lebens als Mosaik gelegt – wunderschön! Gegenüber der Kiwa ist die Toilette und ein paar Schritte weiter, kommt links eine Türe die geht ins „ Atelier“ Ein Lichtdurchfluteter Raum, wo Cornelia ihrer Kreativität freien Lauf lassen kann. Wieder ein Stückchen weiter kommt die Küche – Treffpunkt von uns allen. Irgendwie sitzen wir immer in der Küche. Zwischen Küche und Dom ist noch die Türe zum Garten. Ein Garten den ich einmal verwirklichen werde zuhause – wo alles so wachsen und gedeihen darf, wie von Mutter Natur vorgesehen ist. Ein Garten, wo die Energie fast schon greifbar ist. Ich liebe diesen Garten. Wenn man den Gang weitergeht kommt rechts der Aufgang (3-4 Stufen) zum Dom. Dieser Raum ist einzigartig. Er ist rund und hat 23 einzelne Elemente, die in der Wand sowie am Boden sichtbar sind. Die Wände sind wieder mit Lehm gemacht und in der Mitte ist ein rundes Fenster im Boden, wo man zur Kiwa nach unten durchsehen kann. (In der Kiwa sieht man an der Decke zum Dom rauf) Der Boden ist aus Holz und es gibt zwei Fenster und eine Terrassentüre. Der Raum ist ja wie ein Dom gebaut und so ist die Decke aus Glas wie eine Kuppel. Wir sitzen immer am Boden auf Pölster und Decken. Es ist der kraftvollste Raum denn ich je erlebt habe

 

 

Der Tag an dem mein Leben eine Wende nahm

Meine erste Begegnung mit Free-Dom

Ich erinnere mich als wäre es gestern gewesen: Ich las im Internet das erste Mal etwas über den Free-Dom und die schamanische Ausbildung. Eine Freundin hatte mich darauf Aufmerksam gemacht. Mein erster Gedanke war: ich und eine Schamanin? Zögerlich begann ich, mich mit dem Schamanismus auseinander zu setzen. Ich erkannte mich in einigen Ausbildungspunkten wieder und so nahm ich meinen Mut zusammen und rief an. Eine Frau Namens Cornelia war dran und ich hatte keine Ahnung wie sehr sie mein Leben verändern sollte. Wir vereinbarten einen ersten Termin, damit ich einen Einblick bekommen konnte, was so passiert im Dom und wie die Ausbildung gestaltet wird.

 

An einem schönen Frühlingstag fuhr ich los. Enges Top, enge Leggings und hochhackige Stiefeletten. Rein optisch hatte ich nichts gemeinsam mit einer Schamanin. Trotzdem nahm ich meinen gesamten Mut zusammen und fuhr hin. Ich wusste instinktiv, dass es genau das Richtige für mich ist. Für eine Strecke, die man in 90 Minuten schafft, brauchte ich geschlagene 2,5 Stunden, sooft habe ich mich verfahren. Ich war schon kurz vor dem Aufgeben, als ich endlich den Dom fand.

 

Erst viel später fand ich heraus, warum ich mich so oft verfahren hatte, und wirklich um fast eine Stunde zu spät zum Treffen kam. Cornelia und Mladen hatten noch einen Termin und ich bin mir sicher, ich hätte mich niemals so fallen lassen können, so öffnen können, wenn noch jemand Fremder dagewesen wäre. Da begann bereits meine Führung.

 

Ich stieg aus dem Auto und stöckelte Richtung Free-Dom. Auf mein Läuten öffnete niemand, so ging ich einmal ums Haus und fand einen zweiten Eingang, der im Garten endete. Da kam auch schon ein Mann auf mich zu, der sich als Mladen vorstellte und mich begrüßte. Cornelia erblickte ich auch. Beide sahen aus wie zwei richtige Schamanen eben. Beide weiße lange Haare und Haarschmuck. Auch sie begrüßte mich herzlich und ich fühlte mich einerseits sehr wohl, aber andererseits ziemlich Unbehagen. Da schon zeigte mir der kraftvolle, aber sehr liebevoll energetische Platz, wie verkleidet ich eigentlich war. Ich setzte mich auf einen Sessel, der mir angeboten wurde. Dieser Sessel stand unter einem Baum – der Baum, der später „mein“ Baum werden sollte. Der Baum, der mir seine Energie immer schenkte. Natürlich kommt es immer anders als erwartet. Die ganze Zeit über wollte ich mit Cornelia sprechen, aber ein Telefonanruf nach dem anderen – so blieb Mladen bei mir und wir unterhielten uns. Meine Unruhe wuchs, und als endlich Cornelia sich zu uns begab war ich schon sehr aufgewühlt. Sie bemerkte es. „Zieh mal deine hohen Schuhe aus, du hast ja gar keine Erdung“ war der erste richtige Satz, den sie zu mir sagte. Ich war froh den zu hören, denn ich wollte sie schon lange ausziehen – so unwohl fühlte ich mich mit ihnen auf einmal. Das was mir in meinem bis dahin geführten Leben Sicherheit gab – die hochhackigen Schuhe – wurde dort für mich auf einmal zur Last. Nicht genug dessen – ich fühlte es förmlich, wie unnötig meine „Verkleidung“ war.

 

Ich zog sie also aus und fühlte die Erde unter meinen Füßen. Das war ein Gefühl von: ja, ich bin da! Endlich bin ich angekommen! Erde du hast mich wieder!

 

„Schließe deine Augen und versuche die Energie, die ich dir geben werde, aufzunehmen“ meinte Cornelia. Ich tat wie mir befohlen und spürte ihre Kraft, die sie mir zur Verfügung stellte. Wie eine leere Batterie, die man auffüllt – es tat so gut! So lange hatte ich schon nicht mehr so eine reine, gute Energie erhalten. Ich wurde auf einmal sehr ruhig und so konnten wir unser Gespräch fortführen.

 

Wir sprachen noch einige Details der Ausbildung an, aber ich hörte nur mehr mit einem Ohr zu. Der Garten hatte mich mit seiner Energie schon eingehüllt und ich fühlte mich zum ersten Mal seit – ich weiß nicht wie lange – wohl und ruhig. Ich fühlte wieder etwas.

 

Für mich war sofort klar: hier bleibe ich. Dies hab ich gesucht und es hat mich gefunden.

Wie schwer und wie tief alles sein würde, wie sehr ich an mir arbeiten müsste, wie viele Tränen des Leides aber auch des Glückes ich noch weinen werde und wie sehr ich endlich MICH finden würde – all das konnte ich nicht mal erahnen damals. Auch Cornelia und Mladen konnten das nicht wissen – aber ich denke sie hatten damals schon eine leichte Ahnung.

 

So beschlossen meine Freundin Yvonne und ich, gemeinsam diese Ausbildung zu starten.

 

 

 

Ausbildungsmodul 1 - Erster bis dritter Tag

Die „Ausbildung“ beginnt

 

Freitag 17.6.2011

 

Wir kommen an – vorher bin ich guter Dinge. Dort angekommen will ich nur eines: WEG. Fluchtgedanke pur und absolut. Wir gehen in den Garten. Ich setze mich mit dem Rücken zum Eingang damit ich niemanden begrüßen muss. Hinter mir ist ein Baum. Mein Halt meine Stärke. Ich weiß das etwas dieses Wochenende auf mich zukommt und habe nur eines: ANGST.



[1] Hier sei an alle die sich in dem Wort wiederfinden oder sich angegriffen fühlen gefragt: was stört euch an dem Wort? Spiegelt es euch etwas wieder? Habt ihr euch das schon mal gefragt?